Patientenerfahrungen
Mit Korsett zum Traum –
Konservative Skoliose Therpie
„Hallo, ich heiße Sophie.
Bewegung gehört zu mir, seit ich denken kann. Schon als kleines Kind habe ich auf der großen Bühne getanzt. Später habe ich im Internet Videos von Mädchen gesehen, die sich anmutig und kraftvoll bewegten. Ich war fasziniert. „Was machen die da?“, fragte ich meine Mama. „Das ist rhythmische Sportgymnastik“, sagte sie.
Da war für mich klar: Das will ich auch! Ich bat sie, mich dort anzumelden – und so begann meine Reise.
Ein paar Jahre später besuchten wir den „Tag der offenen Türen“ an der Artistenschule Berlin. Die große Halle, die Artisten, die ganze Atmosphäre – ich war sofort begeistert. Ich wusste: Hier will ich lernen! Ich will Artistin werden.
Ich bestand die erste Runde der Aufnahmeprüfung. Doch kurz vor dem zweiten Teil, der ärztlichen Untersuchung, bekam ich eine Diagnose, die mich erschütterte: Skoliose. Mein Rücken war nicht gerade. Ich wusste nicht, was das bedeutete. Dürfte ich überhaupt weiter an der Schule mitmachen? Würde ich mich noch frei bewegen dürfen?
Zum Glück sagte die Schulärztin: „Wir müssen das beobachten, aber dagegen spricht erst mal nichts.“ Ich war überglücklich. Ich wurde aufgenommen! Das war der schönste Tag meines Lebens.
Im Herbst 2024 begann dann eine neue Phase: die regelmäßigen Untersuchungen in der Charité. Der Arzt zeigte mir die Bilder meines Rückens. „Nicht schön“, sagte er. Ich glaube, es waren rund 20 Grad Krümmung. Ich bekam Physiotherapie verschrieben – und sollte in sechs Monaten wiederkommen.
Doch schon nach drei Monaten zeigte die nächste Untersuchung: Die Skoliose hatte sich verschlimmert – 25 Grad. „Das geht zu schnell“, meinte der neue Arzt. Wenn sich das so weiterentwickelt, müsste ich vielleicht operiert werden. Ich war geschockt. Dann sagte er den Satz, den ich nie vergessen werde: „Du brauchst ein Korsett.“
Ich war am Boden zerstört. Ich weinte. Mein erster Gedanke war: Ist mein Traum jetzt vorbei? Wie soll ich mich mit einem Korsett bewegen? Wie fühlt sich so ein Ding überhaupt an?
Aber ich wollte nicht aufgeben. Gemeinsam suchten wir einen Spezialisten, und wir ließen ein Korsett für mich anfertigen. Ich durfte die Farbe selbst wählen – natürlich Schwarz, die Lieblingsfarbe der Artistinnen. Als es fertig war, zog ich es gleich an – und trug es ab dem ersten Tag auch nachts.
Ich war motiviert wie nie. Ich wollte unbedingt beweisen, dass ich das schaffen kann. Dass ich trotz Korsett weitermachen darf – mit allem: Luftakrobatik, Trapez, Trampolin, Radseil, Jonglieren, Ballett, Balllaufen… Ich wollte auf nichts verzichten.
Ich zog das Korsett manchmal drei Mal am Tag aus und wieder an – zwischen Ballett und Mathe, zwischen Akrobatik und NaWi. Ich war fleißig. Ich war diszipliniert.
Und das zahlte sich aus.
Bei der nächsten Untersuchung im April machte der Arzt große Augen. „Der Rücken sieht viel besser aus“, sagte er. „Das Korsett wirkt – machen Sie genau so weiter!“ Ich war so erleichtert und glücklich. Meine Motivation wurde noch größer.
Drei Monate später kam der nächste Termin. Diesmal war der Arzt fast sprachlos: „Solche Fortschritte habe ich in den letzten zwei Jahren nicht gesehen.“ Im Korsett war meine Skoliose kaum noch sichtbar. Ohne Korsett hatte sich die Krümmung auf 15 Grad verbessert – zehn Grad weniger!
Ich konnte es kaum glauben. Ich bin so glücklich. Ich trage mein Korsett mit Stolz – und irgendwie finde ich es sogar hübsch. Meine Mitschülerinnen sagen manchmal, ich sei cool. Und ich glaube, sie haben recht :)“.
Sophies Fall verdeutlicht eindrucksvoll die Bedeutung einer
frühzeitigen, konsequenten und individuell angepassten
konservativen Therapie bei idiopathischer Skoliose im Wachs-
tumsalter. Durch die enge ärztliche Begleitung, die konsequente
Chêneau-Korsettversorgung und die ergänzende Physiotherapie
nach Schroth mit anhaltender Eigenübung konnte die Krümmung
innerhalb der ersten Monate deutlich reduziert werden. Dies ver-
hinderte ein Fortschreiten der Skoliose und damit die Notwendigkeit
einer Operation. Sophioes Fall verdeutlicht die Bedeutung von Selbst-
wirksamkeit und hoher Therapieadhärenz für den Behandlungserfolg.
Er zeigt, wie sehr Motivation und aktives Mitwirken der Patientin das
Ergebnis beeinflussen können.

